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Wie 5G den Markt für Netzwerkinfrastruktur drastisch verändert

Der durch 5G bedingte beispiellos schnell wachsende Bedarf an Bandbreite und kurzer Latenzzeit bietet Dienstanbietern grossartige Chancen, Wert zu schaffen; doch das erfordert ein umfassendes Überdenken vorhandener Geschäftsmodelle.

6 MINUTEN LESEDAUER

5G erfordert bei Betrieb und Management von Netzwerkinfrastrukturen ein hohes Mass an Flexibilität sowie eine erheblich bessere Performance in den Bereichen Bandbreite, Latenzzeit und Abdeckung. Hinzu kommt, dass Rechen- und Speicherkapazitäten an die Edge des Netzes verlagert werden müssen, um häufig benötigte Inhalte und Anwendungen dort zu unterstützen, wo sie gebraucht werden.

Neue Akteure

Der von 5G hervorgerufene Paradigmenwechsel führt zu neuen Ansätzen bei Netzdesign und -planung und zu neuen Arten von Dienstanbietern und Geschäftsmodellen auf dem Markt. Ein Unternehmen könnte beispielsweise sein eigenes privates Netzwerk aufbauen und 5G-Frequenzen für seine eigenen Zwecke zugeteilt bekommen. Netzbetreiber, die ihre Mobilfunknetze mit 5G-Technologie aufrüsten, nutzen zunehmend die Kapazitäten bestehender Glasfasernetze und bauen beispielsweise auf Betreiber in den Bereichen Festnetz, FTTH oder CATV. Wir wollen uns zwei Arten neuer Marktteilnehmer näher ansehen, die Kapazitäten an Dritte vermieten: Neutral Hosts und Funkmastbetreiber.

Neutral Hosts

Eines der neu entstandenen Konzepte ist das Netz des «Neutral Host». Statt des traditionellen individuellen Ausbaus und Betriebs durch einzelne Mobilfunknetzbetreiber (MNO) baut und betreibt ein Dritter einen Teil des Netzes und bietet privaten und öffentlichen Kunden Konnektivität an.

Es kommen beispielsweise sogenannte «Neutral Hosts» auf den Markt und bieten zusätzliche Glasfaserkapazität und -bandbreite an. Die Integration und Kooperation unter diesen Akteuren von der Planung bis zum Ausbau ist besonders komplex, aber unbedingt erforderlich, um Roll-outs von 5G möglich zu machen, insbesondere in grossen Städten und Ballungsräumen, wo Unternehmen 5G-Dienste brauchen.

Ein Neutral Host ist eine Partei, die ein Kommunikationsnetz betreibt und unter Nutzung ihrer eigenen optischen Kern-, Edge- oder RAN-(Remote Access Network)-Infrastruktur softwaredefinierte (d. h. abstimmbare oder irgendwie zuweisbare, skalierbare) Netze anbietet oder sogar zusätzliche Frequenzen und/oder zweckgebundene Übertragungs- und Empfangstechnologie auf der Funkseite. Bei einem 5G-Neutral-Host kann es sich um einen früheren Kabel-TV-Anbieter oder einen Inhaber einer sogenannten «öffentlich-privaten» Netzlizenzen mit spezifischer Infrastruktur handeln. Es könnte aber auch eine Bank oder ein IT-Dienstleister sein, die ihre eigene Infrastruktur für die Zusammenschaltung von Rechenzentren besitzen. Sie alle könnten ihre «Assets» nutzen, um Dritten spezielle Kommunikationsnetzkapazitäten, Softwaredienste und logische Netzwerkpartitionen (Network Slices) anzubieten. All diese Network Slices und Computing-Ressourcen in einem Edge-, Kern- oder RAN-Netz oder einem lokalen Kleinzellennetz, das ein bestimmtes Frequenzspektrum nutzt, stellen zusätzliche Glasfaserkapazität, Funkabdeckung oder Reichweite für Mobilfunknetze zur Verfügung für jeden, der in einem bestimmten Gebiet Dienste anbieten möchte. Neutral-Host-Architektur und -Geschäftsmodelle bieten – in der Regel auf lokaler Ebene – nationalen Mobilfunkbetreibern (MNO) oder anderen Anbietern von Kommunikationsdiensten (CSPs) neue Lösungen für die Mobilfunkabdeckung an. Dies versetzt sie in die Lage, beispielsweise in Gebieten, in denen sie mit technischen Hindernissen oder geschäftlichen Herausforderungen aufgrund zu hoher Implementierungskosten konfrontiert sind, Roll-outs umzusetzen. Es ermöglicht ihnen schliesslich auch, ohne frühzeitige Planung bei Bedarf eine schnelle, interoperable und flexible Bereitstellung von 5G-Diensten zu realisieren. Ein Neutral Host könnte sein eigenes Spektrum oder Spektrum im Besitz eines Mobilfunkbetreibers (MNO) verkaufen. Ein Neutral-Host-Modell für 5G mit offenem Zugang ist besonders nützlich in städtischen Gebieten mit vielen Kleinzellen. Diese könnten vom Host-Unternehmen implementiert werden, das diese Netzkapazität zusätzlich an andere Arten von Dienstanbietern verkaufen würde.

Das Neutral-Host-Modell bietet unterschiedlichen Beteiligten verschiedene Vorteile. Endkunden können beispielsweise ihre Dienste in neuen Bereichen auf agile und äusserst flexible Weise ausweiten und dabei Netzbetriebskosten sparen. Mobilfunkbetreiber könnten erhebliche Kosteneinsparungen bei Infrastruktur, Systemhardware und Wartung erzielen, sodass mehr Zeit und Budget für die Entwicklung neuer Dienste zur Verfügung stünden.

Funkmastbetreiber

Mobilfunkmasten sind für den Ausbau von 5G-Netzen von entscheidender Bedeutung. Denn diese Netze setzen sich weitgehend aus kleinen Zellen (Small Cells) und verteilten Antennensystemen (DAS) zusammen, aber Funkmasten bilden das Backbone für mobile Netzverbindungen. Ursprünglich bauten Telekommunikationsunternehmen diese Funkmasten. Mittlerweile hat sich diese Tätigkeit jedoch immer mehr auf reine Funkmastbetreiber verlagert. In den vergangenen Jahren haben Mobilfunkbetreiber ihre eigenen Masten an externe Unternehmen verkauft und mieten sie von ihnen, um Barmittel für neue Investitionen freizusetzen. In bestimmten Fällen ist das Funkmastunternehmen mitunter nicht Eigentümer der Hardware, sondern hat Pachtrechte und kann die Masten eventuell nach einiger Zeit kaufen. Diese Funkmastunternehmen betreiben nun vorhandene und neue 5G-Zellenstandorte für Mobilfunkbetreiber, obwohl es ihnen in der Regel an Erfahrung mit dem Betrieb dieser Infrastruktur und der künftigen Entwicklung solcher Standorte mangelt. Hinzu kommt, dass ihre Kunden – unter anderem die Telekommunikationsunternehmen, die die Masten ursprünglich errichtet haben – Upgrades und Leistungsverbesserungen über alle Standorte hinweg verlangen. Sie können mitunter mehr Antennen fordern und von den Funkmastbetreibern technische Angebote und Kostenrechnungen verlangen. Beide Parteien könnten sich die Finanzierung teilen – ein weiteres interessantes neues Geschäftsmodell.

Funkmastbetreiber haben oft aufgrund ihrer bestehenden Betriebskostenvorteile einen erheblichen Wettbewerbsvorsprung, und es bestehen hohe Markteintrittsschranken für neue Marktteilnehmer. Funkmastunternehmen können mehreren Mobilfunkbetreibern Hosting-Dienste anbieten; und mehr Kunden bedeutet höhere Erträge. Da 5G-Netze komplex sind und überraschende Geschäftsmöglichkeiten und -modelle eröffnen können, sollten Netzbetreiber sich schon in einem frühen Stadium nach kompetenter Beratung umsehen, um ein Übermass an Spezifizierung und zu hohe Ausgaben zu vermeiden und nicht Gefahr zu laufen, langfristig nicht flexibel genug zu sein. Kompetente Partner sind für Infrastrukturerweiterung, Installation und Systemintegration von entscheidender Bedeutung, da sie Netzbetreibern und Dienstanbietern ermöglichen, bestimmte Aufgaben fremd zu vergeben und sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Funkmastbetreiber benötigen zudem kostenoptimierte, massgeschneiderte, zugleich aber auch in hohem Masse standardisierte Infrastrukturtechnologie – sowohl für den Bau neuer Makrozellen-Standorte als auch für integrierte Kleinzellenanlagen.

Herausforderungen

Viele Länder arbeiten immer noch an Kapazitätserweiterungen von 4G, und zahlreiche Verbraucher sind nicht bereit, Vertragsgebühren zu zahlen, die mitunter zwei- oder dreimal so hoch sind wie das, was sie üblicherweise zahlen. Dies ist ein weit verbreitetes Problem in der gesamten EU. Doch wenn es um die Entwicklung professioneller Dienste geht, wie etwa private Netze für Unternehmen, haben Neueinsteiger die Chance, an allem etwas zu verdienen – von Design und Infrastruktur über Softwaretests bis hin zum Angebot von Premium-Diensten.

Weitere Probleme sind Umweltaspekte und gesundheitliche Bedenken im Zusammenhang mit 5G, wenngleich Letztere fast ausschliesslich auf Desinformation und falscher Interpretation beruhen. Weiteres zu diesem letztgenannten Thema in unserem nächsten Blog!

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